Porsche-Diesel Freunde Eifel

Termine 2016

  • 14.01.2016
    1. Stammtisch

    18:30 Uhr, Restaurant Dubrovnik,
    Bonner Straße 2, Zülpich
  • 14.04.2016
    2. Stammtisch

    18:30 Uhr, Restaurant Dubrovnik,
    Bonner Straße 2, Zülpich
  • 11.06.2016
    1. Schraubertreffen

    Eifeltrecker,
    Kapellenweg 20, Monschau
  • 07.07.2016
    3. Stammtisch

    18:30 Uhr, Rest. Finkenberg,
     
  • 19-.21.08.2016
    Sommerausfahrt

    Monschauer Land, genauere Infos folgen
  • 10.09.2016
    2. Schraubertreffe
    Ottmar Michels, Daun
  • 13.10.2016
    4. Stammtisch

    18:30 Uhr,
    Ort noch nicht bekannt

Porsche-Diesel Schraubertreffen 2015

Wiederbelebung eines Scheunenfunds

Für den diesjährigen Schraubertag der Region Köln-Eifel stand ein Junior 108 zur Verfügung, den es galt mit vereinten Kräften nach über 12 Jahren Stillstand wieder flott zu machen. Und um es vorwegzunehmen, die schlagkräftige Truppe aus der Region Köln-Eifel hat es geschafft – und sogar noch mehr.

Das Objekt

Scheunenfund PD Junior 108 V

Ein echter Scheunenfund. Vor mehr als 12 Jahren wurde er in einer Scheune in der Eifel abgestellt und hatte seit dem kein Rad mehr gedreht, geschweige denn, dass nur ein Tropfen Diesel seinen Zylinder befeuert hätte. Letzteres war auch kaum mehr möglich, denn die Einspritzpumpe befand sich in ihre Einzelteile zerlegt auf einer neben dem Trecker stehenden Werkbank.

Von seinen letzten Arbeitstagen im Wald gekennzeichnet stand er da, verdreckt, mit rostigen Kotflügeln und platten Reifen – kein besonders vielversprechender Anblick – eben ein echter Scheunenfund. Und da wir noch kein interessantes Thema für den diesjährigen Schraubertag gefunden hatten, nahmen wir uns trotz aller Bedenken seiner an. Der Mut und die Hoffnung waren eben größer.

Nach einer ordentlichen Dusche und im Licht der Sonne betrachtet sah der kleine Junior nicht mehr ganz so schlimm aus, wie es noch in der dunklen Scheune seinen Anschein hatte. Die dicke Dreck- und Staubschicht hatte zumindest partiell den Lack einigermaßen gut konserviert. Und abgesehen von der obligatorischen Beule an der Haube waren die meisten Teile in einem vergleichsweise guten Zustand. Aber fahrbereit war er noch nicht, das sollte die Aufgabe für den bevorstehenden Schraubertag sein.

Bestandsaufnahme am Schraubertag

Alles war bestens vorbereitet. Haube, Tank, Luftleitbleche und Auspuff waren bereits demontiert und Gregor Binger, unser Technikwart, hatte alle Werkzeuge und Ersatzteile bereitgelegt. Nach einem deftigen Frühstück teilte Gregor alle aktiven Schrauber in Arbeitsgruppen ein und es konnte losgehen.

Die Demontage und Reinigung des Luftfilters ging schnell über die Bühne, ebenso das Ausblasen der Kühlrippen des Zylinders. Die anschließende Kompressionsmessung ergab einen Wert von knapp 20 bar. Kein Spitzenwert, aber auch nicht besorgniserregend, so dass der Zylinder fürs Erste nicht demontiert werden musste. Das Kontrollieren und Einstellen des Ventilspiels ist für einige schon fast eine Routinearbeit.

Als nächstes ging es an die Einspritzpumpe. Diese hatte Gregor in den Tagen zuvor auf seine Vollständigkeit geprüft und gereinigt. Anhand einer mit Magnetfuß am Kurbelgehäuse befestigten Messuhr wurde der Hub des Steuerstößels ermittelt: exakt 8 mm. Da dieser Wert dem im Werkstatthandbuch genannten Sollwert entspricht, wurde keine Veränderung vorgenommen.
Jetzt stellte sich die spannende Frage, wie dick darf die Dichtung zwischen Kurbelgehäuse und Einspritzpumpe sein, so dass der Hub des Stößels ausreicht, um die Pumpe zu schließen. Das ließ sich am einfachsten empirisch ermitteln, indem wird nacheinander verschiedene Dichtungen in Dicken zwischen 0,20 und 0,75 mm auprobierten.
Zunächst musste jedoch die Einspritzpumpe mit Diesel versorgt werden. Für diesen Zweck hatte Gregor eigens einen Spezialtank angefertigt: Ein Edelstahlrohr für ca. 0,2 l Diesel, der mit einem Kugelhahn abgesperrt werden konnte (s. Fotos). Dieser Ersatztank leistete auch für den Rest des Tages hervorragende Dienste, denn der eigentliche Tank des Juniors war von innen derart verrostet, dass dieser zunächst einer Spezialbehandlung unterzogen werden musste (s. Foto).

Nach der erfolgten Montage der Einspritzpumpe demonstrierte Gregor in beeindruckender Form noch deren Funktionsweise, indem er sie über die demontierte Einspritzdüse absprühen ließ. Es zeigte sich ein sehr homogenes und feines Sprühbild.

Weiter ging es mit der Überprüfung der Vorglühanlage. Da die alte Glühkerze nicht mehr zu gebrauchen war, wurde diese kurzerhand durch eine neue Stabglühkerze ersetzt. Der Glühwiderstand wurde überbrückt und dementsprechend auch der Glühüberwacher gleich mitgetauscht.

Mittels Druckluft und einer batteriebetriebenen Kontrollleuchte wurde der Öldruckmesser überprüft und mit neuem Dichtring wieder eingebaut.

Zwischenzeitlich hatte ein zweites Team allen Schmiernippeln des Treckers einen Besuch abgestattet und die Elektrik überprüft. Außer der fehlenden Hupe und ein paar defekten Birnchen war alles noch intakt.

Befüllen des Spezialtanks
Messuhr an der Einspritzpumpe
Ermittlung des Förderbeginns
Test der Einspritzpumpe
Prüfen des Öldruckgebers
Nach erfolgter Wiederbelebung
Einstellen der Hinterradbremse
Ermitteln der Nenndrehzahl
Porsche-Diesel Junior 108 ...
... mit offenem Herz
Spezialbehandlung des Tanks

Wiedererwachen nach 12 Jahren Stillstand

Jetzt kam der spannende Moment. Würde der kleine Junior nach 12 Jahren Dornröschenschlaf wieder zum Leben erweckt werden können? In der Tat, nach nur wenigen Umdrehungen entlockte der Elektrostarter dem Junior ein lautes Husten und man konnte die ersten Dieselwölkchen – zuerst blau, dann schwarz - aus seinem Auspuff aufsteigen sehen.

Somit blieben für den heutigen Tag nur noch ein paar Restarbeiten: Bremsen einstellen, Motoröl wechseln, Öldruck messen, und zum guten Schluss messen der Drehzahl und über den Regler auf 2250 U/min einstellen.

Video 1: Erstes Lebenszeichen

Video 2: Erste Testfahrt

Hauptuntersuchung am gleichen Tag bestanden

Völlig unerwartet und zur Überraschung aller kam am frühen Nachmittag ein Prüfingenieur auf den Hof gefahren. Diesen hatte Gregor ohne das Wissen aller anderen bestellt, um noch am gleichen Tag vor Ort eine Hauptuntersuchung durchzuführen zu lassen.
Das war ganz schön mutig, denn kaum einer hatte am Morgen vor Augen, dass der Trecker nach so kurzer Zeit nicht nur wieder fahrbereit, sondern auch fit für TÜV sein würde. So etwas ist natürlich nur dann möglich, wenn eine so schlagkräftige Truppe wie die der Porsche-Diesel Freunde ans Werk geht. Und was soll ich sagen, der Junior bestand die Hauptuntersuchung ohne Beanstandung.

Gut eine Woche später, nachdem auch der Tank gereinigt, mit neuem Filter ausgestattet und eine neue Kraftstoffleitung verlegt war, bekam der Junior seine Kennzeichentafel und absolvierte seine erste Ausfahrt.

Abschließend sei noch vermerkt, dass der Junior natürlich auch mit einer Aufstieghilfe ausgestattet wurde. Diese werden in Handarbeit angefertigt und können angepasst für jedes Porsche-Diesel Modell bei Gregor beauftragt werden. Und für die Modelle Junior 108 und 109 beinhaltet sein Angebot sogar den Nachbau eines Frontgewichts.

Dank an alle Helfer

An dieser Stelle möchte ich allen - 16 Schrauber und sogar eine Schrauberin - für ihre aktive Mithilfe zur Wiederbelebung des Scheunenfunds, den Helfern und Helferinnen, die für das leibliche Wohl gesorgt haben und Gregor für die perfekte Vorbereitung des Schraubertags recht herzlich danken. Alles in allem ein wunderschöner Tag in freundschaftlicher Runde.

Gemeinsames Frühstück ...
... vor der Arbeit.
Nach getaner Arbeit ;-)

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Fotos und Videos von Eric Boulengier und Angela Steffens